Verschnitt berechnen: Wie viele Fliesen brauche ich wirklich?
Verschnitt klingt nach einer Nebensache, die man kurz überschlägt. Ist es nicht. Zu wenige Fliesen sind einer der Gründe, warum eine Baustelle plötzlich zwei Wochen stillsteht – und das lässt sich mit ein paar Minuten Nachdenken bei der Bestellung komplett vermeiden.
Wer die Menge zu knapp kalkuliert, spart im besten Fall drei Pakete. Was das im schlechtesten Fall kostet, sieht man erst, wenn es passiert ist. Deshalb fange ich mit den Fällen an, die mir im Alltag am häufigsten begegnen.
Was passiert, wenn die Fliesen nicht reichen
Baustopp. Das ist die kurze Version. Fehlen mitten in der Verlegung die letzten Quadratmeter, kann die Fläche nicht fertig werden – und zwar so lange nicht, bis Nachschub da ist.
Zwei Wochen Lieferzeit. Bei Bestellware ist das keine Ausnahme, sondern realistisch. In dieser Zeit lässt sich das Bad, das Gäste-WC oder die Küche nicht fertigstellen. Hat der Fliesenleger auf der Baustelle noch genug anderes zu tun, ist das verkraftbar. Ansonsten muss er ein zweites Mal anrücken – und dass er dann sofort Zeit hat, wenn die Fliesen eintreffen, ist in der heutigen Auftragslage eher unwahrscheinlich.
Frachtkosten doppelt. Eine Nachbestellung wird noch einmal ausgeliefert. Bei ohnehin steigenden Baukosten ist das schlicht ärgerliches Geld.
Und der Punkt, der am meisten weh tut: die Charge. Fliesen einer Charge stammen aus demselben Brand. Ist dieses Kontingent aufgebraucht, bekommst du zwar dieselbe Serie – aber aus einem anderen Brand. Und dann können Unterschiede im Farbton sichtbar sein. Im Abstellraum verkraftbar. Mitten in der Badwand oder im durchgehenden Bodenbelag eher unschön, und zwar dauerhaft.
Das ist alles vermeidbar. Es braucht keine komplizierte Rechnung – nur die Entscheidung, bei der Bestellung nicht auf Kante zu gehen.
Formate bis 60 × 60: rechnen mit Puffer
Bei Fliesen bis 60 × 60 cm plane ich 10 Prozent Verschnitt ein. In der Praxis ist es meistens noch einfacher, gleich drei Pakete mehr zu nehmen. Ein Paket umfasst je nach Format häufig 1,08 oder 1,44 Quadratmeter – bei einer Fläche bis rund 30 Quadratmeter reichen drei Pakete in den allermeisten Fällen aus.
Warum Pakete statt Prozent? Weil du ohnehin nur ganze Pakete bekommst. Die Prozentrechnung endet immer damit, dass du aufrunden musst.
Ein Paket gehört in den Keller
Das empfehle ich grundsätzlich, unabhängig vom Format: ein Paket als Reserve einlagern. Lieber haben und nicht brauchen.
Die Liste der Gründe, warum später doch noch eine Fliese fehlt, ist lang:
- Ein Paket ist beim Transport beschädigt worden.
- Beim Schneiden ist eine Fliese ungünstig gebrochen.
- Die Einteilung passt am Ende doch nicht ganz auf.
- Ein Loch wurde an der falschen Stelle gebohrt.
- Jahre später muss eine beschädigte Fliese getauscht werden.
Gerade der letzte Punkt wird gern übersehen. Eine Fliese, die in fünf Jahren ersetzt werden muss, bekommst du garantiert nicht mehr aus der ursprünglichen Charge – und oft die Serie gar nicht mehr.
Ab 60 × 120: zählen statt rechnen
Bei Großformaten funktioniert die Prozentrechnung nicht mehr zuverlässig. Hier zählt man die Platten.
Wichtig: Dafür muss das Bad eingeteilt sein. Ohne Einteilung lässt sich die richtige Menge nicht ermitteln – und diese Einteilung sollte der Fliesenleger machen, nicht der Bauherr. Der Grund ist einfach: Bei einer 120 × 120er Fliese kommen schnell über zwei Quadratmeter pro Paket zusammen. Ein Paket zu wenig oder zu viel ist da eine ganz andere Hausnummer als bei einem 30 × 60er Format.
Erfahrungsgemäß zählt der Fliesenleger die Platten und bestellt dann – je nach Anzahl und Paketgröße – zwei bis vier Stück mehr. Das hat sich in der Praxis am besten bewährt.
Wenn der Fliesenleger die Einteilung macht und sich dabei verzählt oder verrechnet, gehen die Mehrkosten auf ihn. Dafür ist er Profi. Genau deshalb sollte die Einteilung bei Großformaten auch wirklich von ihm kommen und nicht vom Bauherrn.
Lagerware ist entspannter
Bei Lagerware ist die Sache deutlich weniger dramatisch. Da nimmst du im Zweifel lieber mehr mit – was übrig bleibt, geht im Normalfall zurück. Das spart vor allem Fahrwege, und die Chargenfrage entschärft sich, weil nachgeliefert werden kann.
Klären solltest du die Rückgabe trotzdem vorher: Nicht jeder Händler nimmt angebrochene Pakete zurück, und bei Sonderbestellungen gilt die Regel ohnehin nicht.
Und Kleber, Fuge, Silikon?
Für den Rest des Materials gilt eine andere Logik – da geht es nicht um Chargen, sondern um Verbrauch pro Quadratmeter, und der hängt von Zahnung, Format und Untergrund ab. Dafür nutzt du am besten den Materialrechner. Der arbeitet mit Durchschnittswerten und liefert dir eine belastbare Hausnummer für Kleber, Fugenmörtel und Silikon.
Bis 60 × 60: 10 Prozent Verschnitt oder einfach drei Pakete mehr. Ab 60 × 120: Platten zählen lassen, Einteilung macht der Fliesenleger, zwei bis vier Stück Zugabe. Immer: ein Paket in den Keller. Bei Bestellware lieber großzügig, bei Lagerware ohnehin entspannt. Kleber und Fuge über den Rechner.
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Warum die Charge auch bei der Rutschklasse eine Rolle spielt, steht unter Rutschklassen einfach erklärt. Wie du vorher prüfst, ob der Untergrund überhaupt taugt, findest du unter Untergrund prüfen und vorbereiten. Ob deine Fliesen rektifiziert oder presskantig sind, entscheidet dabei mit über die Fugenbreite – der Unterschied steht unter Rektifiziert oder Presskante. Und wie die Abstimmung mit dem Handwerker reibungslos läuft – gerade beim Thema Einteilung – steht unter Umgang mit dem Fliesenleger. Das komplette Vorgehen von der Planung bis zur Abnahme findest du in Bad sanieren ohne Lehrgeld.