by Andreas Tile
Wissen · Grundlagen

Untergrund prüfen vor dem Fliesen

Von Andreas Tile · Fliesenleger und Fachberater

Der Untergrund ist das Fundament für den ganzen Aufbau. Wenn er nicht stimmt, hilft die beste Fliese nichts und der teuerste Kleber auch nicht. Deshalb vorweg die ehrlichste Aussage dieses Textes: Das ist kein reines Laienthema.

Was Sie selbst tun können, ist prüfen – und einschätzen, ob Sie es mit einem einfachen Fall zu tun haben oder mit einem, bei dem Sie jemanden dazuholen sollten. Genau darum geht es hier. Ich gehe die Untergründe vom einfachsten zum schwierigsten durch.

Wände: Gipskartonplatten

Der einfachste Fall. Was Sie prüfen:

  • Sind die Platten gerade und im Winkel?
  • Schwingen sie? Drücken Sie mit der flachen Hand dagegen. Eine Wand, die nachgibt, ist kein Fliesenuntergrund.
  • Sind die Stöße zu, also sauber verspachtelt?
  • Sind die Schrauben richtig versenkt, falls geschraubt wurde?
  • Ist die Fläche glatt – keine Gipsreste, keine Nasen, kein herumstehender Spachtel?

Wenn das alles passt, reicht als Vorbereitung ein Tiefgrund. Der mindert die Saugfähigkeit des Untergrunds und bindet den Staub.

Wände: alte Fliesen, die bleiben sollen

Alte Fliesen kann man überfliesen – aber nur, wenn sie wirklich fest sind. Prüfen Sie das gründlich:

Klopfen Sie die Fläche ab. Klingt es irgendwo hohl, sitzt die Fliese dort nicht mehr richtig. Schauen Sie sich außerdem die Fugen an: Bröckeln sie heraus, ist das ein Warnzeichen.

Machen die Fliesen dagegen einen guten Eindruck – nichts bröckelt, nichts klingt hohl –, dann brauchen sie zwei Dinge: eine Grundreinigung, also einmal komplett abwaschen, um alte Rückstände zu entfernen. Und danach eine spezielle Grundierung mit Quarzsand, die für die spätere Haftung sorgt. Normaler Tiefgrund reicht auf Fliesen nicht, weil hier nichts saugt – es geht darum, dem Kleber überhaupt etwas zum Festhalten zu geben.

Wände: alte Fliesen, die runter müssen

Wenn es hohl klingt oder die Fugen bröckeln, sollten die Fliesen samt altem Kleber runter. Danach steht man vor einem unebenen Untergrund, der wieder begradigt werden muss – entweder durch Spachteln oder durch Aufkleben von Platten, also Hartschaum-Bauplatten oder auch Gipsplatten. Beides ist möglich.

Zu bedenken: Beim Aufkleben trägt man Dicke auf. Gerade bei halbhohen Verfliesungen entsteht dadurch ein Überstand, den man vorher einplanen muss.

Mein Rat an dieser Stelle

Solche Geschichten würde ich dem Profi überlassen – besonders das Spachteln und den Wandaufbau. Wenn er anschließend selbst fliest, tut man ihm mit eigenen Vorarbeiten meistens keinen Gefallen, auch wenn man es gut meint. Ein Fliesenleger baut den Untergrund lieber selbst auf, weil er dann für das Ergebnis geradestehen kann.

Böden: alte Fliesen

Hier gilt zunächst dasselbe wie an der Wand: abklopfen, Fugen ansehen, fest ist gut, hohl ist schlecht.

Ein Punkt kommt am Boden allerdings dazu: Risse. Sind Risse in der Fläche, kann der Estrich darunter gerissen sein. Dann reicht es nicht, neu darüber zu fliesen – dann muss man sich überlegen, ob entkoppelt wird oder ob weitere Maßnahmen nötig sind, etwa den Estrich nach dem Entfernen zu verharzen. Das ist ein Thema für den Fachmann, nicht fürs Wochenende.

Böden: Zementestrich

Ein Zementestrich, der nicht absandet und nicht porös ist, ist ein guter Untergrund. Prüfen Sie das, indem Sie mit der Hand über die Fläche fahren und über den Boden kratzen – bleibt Sand an der Hand, sandet er ab.

Ist der Estrich in Ordnung, reicht sauber machen. Bei Bedarf kann man kurz darüberspachteln, um eine homogene Oberfläche zu bekommen. Und dann in jedem Fall grundieren.

Warum das Grundieren so wichtig ist

Beim Fliesenkleber geht es nicht ums Trocknen, sondern ums Abbinden – der Kleber braucht sein Wasser für eine chemische Reaktion. Ein stark saugender Untergrund entzieht ihm genau dieses Wasser, bevor er richtig abbinden kann. Das Ergebnis ist ein Kleber, der nie die Festigkeit erreicht, die er haben sollte.

Deshalb: Saugfähigkeit mindern durch Grundierung. Das ist kein optionaler Arbeitsschritt und auch keine Verkäufermasche, sondern die Voraussetzung dafür, dass der Aufbau hält.

Böden: Holz, OSB und Dielen

Hier bin ich kurz und deutlich: Holzböden aus OSB oder Dielen erfordern spezielle Spachtelmassen, Entkopplungen und weitere Maßnahmen. Das würde ich vom Profi machen lassen. Holz arbeitet, Fliesen nicht – dieser Widerspruch muss konstruktiv gelöst werden, und dabei kann man viel falsch machen, was man erst ein Jahr später sieht.

Die Grenze

Alles, was über Prüfen, Reinigen und Grundieren hinausgeht, würde ich mit einem Fachmann abklären. Der Untergrund ist das Fundament für einen fachgerechten und vor allem langlebigen Aufbau – hier zu sparen ist die teuerste Art zu sparen, weil ein Fehler an dieser Stelle den ganzen Belag mitnimmt.

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