by Andreas Tile
Wissen · Anleitung

Silikonfuge erneuern

Von Andreas Tile · Fliesenleger und Fachberater

Eine Silikonfuge ist eine Wartungsfuge. Sie darf irgendwann raus – das ist kein Schaden am Bad, sondern eingeplant. Wer sie erneuert, scheitert selten am Fugenziehen. Sondern daran, dass der Untergrund nicht sauber war.

Ich habe die Fugen jahrelang selbst gezogen und höre heute im Fachhandel, woran es hinterher gelegen hat. Es ist fast immer dieselbe Handvoll Punkte. Deshalb steht die Vorbereitung hier ausführlicher als das eigentliche Fugenziehen – da liegt der Unterschied zwischen einer Fuge, die zehn Jahre hält, und einer, die sich nach vier Wochen an der Kante hochzieht.

Das richtige Silikon

Für ein normal gefliestes Bad nehmen Sie essigvernetztes Sanitärsilikon. Das ist der Standard, den es von jedem Hersteller gibt – etwa Otto S100 oder PCI Silcofug E. Sie erkennen es am Geruch: Es riecht beim Verarbeiten deutlich nach Essig.

Eine Ausnahme, und die ist wichtig: Bei Naturstein niemals essigvernetztes Silikon verwenden. Die Säure kann den Stein angreifen und Ränder hinterlassen, die Sie nicht mehr wegbekommen. Für Marmor, Kalkstein und andere Natursteine gehört ein neutralvernetzendes Silikon an die Fuge, zum Beispiel Otto S70. Neutralvernetzer sind außerdem im Außenbereich die bessere Wahl, weil sie widerstandsfähiger sind.

Es wäre ärgerlich, ein ganzes Bad sauber zu fliesen und sich dann im letzten Arbeitsschritt den Naturstein zu ruinieren. Wenn Sie nicht sicher sind, was Sie an der Wand haben: im Fachhandel fragen, bevor Sie die Kartusche kaufen.

Was Sie brauchen

  • Sanitärsilikon, passend zum Untergrund (siehe oben)
  • Eine stabile Kartuschenpistole
  • Ein scharfes Cuttermesser – und zwar mit frischer Klinge
  • Silikonentferner für die letzten Reste
  • Glättmittel vom Hersteller
  • Zum Abziehen: einen Holzspatel (dazu gleich mehr)
  • Saubere, fusselfreie Tücher

Zu den unzähligen Fugenkratzern, Entfernungsdreiecken und Spezialwerkzeugen aus dem Baumarktregal eine klare Ansage: Vergessen Sie die. Ein scharfer Cutter ist schneller, genauer und billiger als alles, was dafür verkauft wird.

1. Alte Fuge herausschneiden

Mit dem Cutter an beiden Flanken entlangschneiden – einmal an der Fliese, einmal an der Wanne oder der anschließenden Fläche – und den Streifen dann herausziehen. Arbeiten Sie mit ruhiger Hand und flachem Winkel, damit die Klinge an der Fliesenkante entlangläuft und nicht hineinsticht. Bei Acrylwannen besonders aufpassen: Das Material ist weich, ein Schnitt darin bleibt sichtbar.

Was nach dem Herausziehen noch haftet, bekommt man mit Silikonentferner weg. Auftragen, einwirken lassen, mit einem Tuch abrubbeln – das funktioniert besser als jedes Schaben.

Der Punkt, an dem es am häufigsten schiefgeht

Der Silikonentferner muss restlos runter. Bleibt ein Film zurück, kann die neue Fuge weich bleiben und härtet nie richtig aus. Also nach dem Entferner gründlich nachreinigen – und dann trocknen lassen.

2. Trocknen lassen. Wirklich.

Die Fuge muss absolut trocken und staubfrei sein, bevor neues Silikon hineinkommt. Feuchtigkeit oder Staub in der Flanke bedeuten, dass sich das Silikon später wieder löst – meist genau dort, wo es am meisten stört.

Am saubersten ist es, über Nacht zu warten. Wenn es schnell gehen muss, hilft ein Heißluftföhn auf niedriger Stufe. Was Sie sich in dieser halben Stunde sparen, machen Sie sonst in einem halben Jahr noch einmal komplett.

3. Kartusche vorbereiten

Kartusche aufschneiden, Düse aufsetzen und schräg abschneiden – wie dick, richtet sich nach der Fugenbreite. Lieber erst knapp abschneiden und nachkorrigieren: Größer machen geht immer, kleiner nicht mehr.

Ein Tipp aus der Praxis: Fragen Sie im Fachhandel oder Baumarkt einfach nach ein paar zusätzlichen Düsen. Die bekommt man meistens umsonst, weil dort ohnehin viel zu viele davon herumliegen. Mit mehreren Spitzen im Vorrat können Sie eine schräg für die normale Fuge anschneiden und eine zweite anders – und müssen nicht mit einer zu groß geratenen Düse weiterarbeiten.

4. Fuge ziehen

Gleichmäßig in die Fuge einbringen, mit ruhigem Tempo und gleichbleibendem Druck. Wichtig ist, dass wirklich genug Material in die Fuge gelangt und diese ausgefüllt wird – zu wenig ist der häufigere Fehler als zu viel. Überschuss ziehen Sie gleich ab, eine Hohlstelle dagegen sehen Sie erst, wenn es zu spät ist.

5. Abziehen – hier entscheidet sich die Optik

Das Abziehen ist eine eigene Kunst und braucht Übung. Es gibt vorgefertigte Abzieher aus Gummi oder Silikon, die funktionieren.

Ich schwöre allerdings auf Holz: Eisstiele oder die Holzspatel aus der Apotheke, die man sonst zum Zunge-Runterdrücken nimmt. Der Grund ist einfach – Holz saugt sich mit dem Glättmittel voll und schmiert deshalb beim Abziehen nicht. Man bekommt eine sauberere Kehle, und der Spatel lässt sich zwischendurch gut abwischen.

Ziehen Sie in einem Zug ab, mit gleichbleibendem Winkel und gleichbleibendem Druck. Absetzen sieht man später – solange es nicht zu viel ist, lässt es sich aber korrigieren, indem Sie mehrmals mit dem Finger darübergehen und nachglätten.

6. Glättmittel: bitte kein Spülmittel

Nehmen Sie ein Glättmittel vom Hersteller. Früher hat man gesagt, Spülmittel im Wasser tue es auch – davon rate ich ab. Es kann den Schimmelschutz des Silikons beeinträchtigen, und genau den wollen Sie im Bad haben.

Beim Einsprühen aufpassen: Treffen Sie keine Stelle, an die noch Silikon soll. Auf besprühten Flächen haftet nichts mehr. Wer erst großflächig einnebelt und dann weiterarbeitet, wundert sich später über Stellen, an denen die Fuge nicht hält.

7. Der letzte Zug

Nach dem Abziehen kurz den Finger in den Eimer mit Glättmittel tauchen oder ansprühen und noch einmal leicht über die Fuge gehen. Das macht sie extra glatt und gibt einen leichten Glanz. Der Schritt kostet zehn Sekunden und ist der Unterschied zwischen „selbst gemacht" und „sieht aus wie vom Fachmann".

Wenn etwas schiefgeht

Kein Drama. Silikon ist nichts, was man einmal richtig machen muss oder für immer verloren hat. Wenn eine Fuge nicht sauber aussieht: trocknen lassen, an einer anderen Stelle weiterarbeiten und die missratene Stelle am nächsten Tag herausschneiden und neu ziehen. Nass herumkorrigieren macht es nur schlimmer.

Und noch einmal zur Beruhigung: Eine Silikonfuge ist eine Wartungsfuge. Sie darf regelmäßig getauscht werden – das ist keine Pfuschstelle, sondern Teil des Bades.

Wann es keine Silikonfrage mehr ist

Wenn eine frische Fuge nach wenigen Wochen wieder schwarz wird, wenn nach dem Herausschneiden feuchter Untergrund zum Vorschein kommt oder wenn sich Feuchtigkeit an anderer Stelle zeigt – etwa an der Wand nebenan oder an der Decke darunter –, dann liegt das Problem nicht am Silikon. Dann steckt es in der Abdichtung dahinter, und die repariert man nicht mit einer neuen Kartusche. In dem Fall lohnt es sich, jemanden draufschauen zu lassen, bevor Sie zum dritten Mal nachfugen.

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