by Andreas Tile
Wissen · Werkzeug und Technik

Fliesen schneiden und bearbeiten

Von Andreas Tile · Fliesenleger und Fachberater

Die meisten Fehlkäufe passieren nicht bei den Fliesen, sondern im Werkzeugregal daneben. Hier steht, was du für eine Baustelle wirklich brauchst – und was du getrost stehen lassen kannst.

Dieser Text richtet sich an Heimwerker, die ihr Bad oder einen Raum selbst fliesen, nicht an Profis mit täglichem Gebrauch. Der Unterschied ist wichtig: Manches Werkzeug rechnet sich erst, wenn man es jeden Tag in der Hand hat. Für die einmalige Baustelle wäre es rausgeworfenes Geld.

Der Fliesenschneider

Das ist die Anschaffung, bei der sich Qualität am deutlichsten bemerkbar macht. Gute Geräte gibt es von Sigma, Hufa, Rubi und Kaufmann – alles Hersteller, die seit Langem am Markt sind und funktionierende Produkte bauen.

Wichtiger als die Marke ist, dass der Schneider zu deinen Fliesen passt. Achte vor allem auf die Schnittlänge: Sie muss zur längsten Fliese passen, die du verlegen willst – und zwar auch diagonal, falls du schräg schneidest. Ein zu kurzer Schneider ist auf der Baustelle nicht zu retten.

Richtig schneiden: ein Zug, wenig Druck

Erst anzeichnen. Wenn du im Winkel schneidest, stell den Winkelanschlag sauber ein, bevor die Fliese aufliegt – nachjustieren mit halb angeritzter Fliese funktioniert nicht.

Dann mit leichtem Druck einmal von vorne nach hinten durchschieben. Zwei Dinge sind hier entscheidend, und beide werden von Anfängern falsch gemacht:

  • In einem Zug. Nicht absetzen, nicht mehrfach über dieselbe Stelle fahren.
  • Nicht zu viel Druck. Du erzeugst eine Sollbruchstelle, mehr nicht. Kraft bringt hier gar nichts.

Brechen – und was tun, wenn sie nicht will

Die meisten neueren Schneider haben eine Brechvorrichtung integriert. Damit leicht von oben drücken, das reicht bei den meisten Fliesen schon.

Wenn nicht, kommt der Handgriff, der überraschend zuverlässig funktioniert: Geh mit der Brechvorrichtung an die andere Seite des Schnitts, etwa drei Zentimeter von der Kante zurück, und drück dort noch einmal. Das klappt in rund achtzig Prozent der Fälle.

Bleibt sie immer noch heil, ritz noch einmal nach und probier es erneut.

Und wenn wirklich gar nichts geht, greif zur Flex und säg am Schnitt entlang. Wichtig dabei: entweder konsequent links oder konsequent rechts der Ritzlinie bleiben, damit die Glasur sauber an der angeritzten Kante abgeht. Danach kurz mit dem Schleifpad drüber, dann sieht man nichts mehr.

Für besonders sture Fliesen

Es gibt Fliesen, die sich einfach nicht brechen lassen wollen. Dann hilft es, vorne und hinten an der Schnittlinie jeweils ein bis zwei Zentimeter mit der Flex einzuschneiden. Das erleichtert den Bruch deutlich.

Die Flex

Für die Fliesenbearbeitung reicht eine normale Flex – zwei Dinge sollten aber stimmen:

Erstens eine gute Scheibe, ausgelegt für Feinsteinzeug. An der Scheibe zu sparen bringt schlechte Schnitte und kostet am Ende mehr Fliesen, als die bessere Scheibe gekostet hätte.

Zweitens – und das wird oft übersehen – ein Drehzahlregler. Je nach Fliese arbeitest du mit unterschiedlicher Drehzahl, und beim Bohren ist der Regler sogar entscheidend (dazu gleich mehr). Eine Flex ohne Regelung ist für diese Arbeiten die falsche Wahl.

Löcher bohren: Bohrkronen, nichts anderes

Früher hat man Löcher mit Zange und Fliesenhammer gemacht oder mit dem Lochboy. Mein klarer Rat: Lass das. Die paar Euro für ordentliche Bohrkronen sind gut investiert – du sparst dir Bruch, Nerven und am Ende Geld.

Beim Bohren mit der Flex den Drehzahlregler auf Stufe 2 bis 3 stellen. Das schont die Krone und macht das Bohren deutlich leichter und ruhiger. Gerade weil das Bohren mit der Flex für viele ungewohnt ist, macht die niedrigere Drehzahl den entscheidenden Unterschied zwischen sauberem Loch und ausgefranstem Rand.

Das Schleifpad – klein, aber wichtig

Ein Schleifpad mit Diamantbesatz gehört zur Fliesenbearbeitung dazu. Es gibt Handpads und Pads für die Flex.

Für gelegentliches Verlegen oder eine einmalige Baustelle empfehle ich klar das Handpad. Es ist deutlich günstiger, für diesen Zweck völlig ausreichend, und du musst an der Flex nicht ständig wechseln, wenn du ohnehin nur eine hast. Mit den Flexpads nimmt man außerdem schnell zu viel weg – die lohnen sich wirklich erst bei täglichem Gebrauch.

Wofür du das Pad brauchst: um scharfe Kanten zu glätten, die beim Brechen oder beim Schneiden entstehen, und um eine saubere Kante herzustellen. Besonders wichtig überall dort, wo die Fliese an eine Schiene grenzt – dort fallen scharfe, unsaubere Kanten sofort auf.

Beim Trockenschneiden an den Staub denken

Beim Flexen und Bohren von Feinsteinzeug entsteht sehr feiner Staub, der in die Lunge geht. Arbeite möglichst im Freien oder mit Absaugung und trag eine geeignete Staubmaske. Schutzbrille und Gehörschutz gehören bei der Flex ohnehin dazu.

Kurz zusammengefasst

  • Ordentlicher Fliesenschneider, Schnittlänge passend zur größten Fliese
  • Flex mit Drehzahlregler und guter Feinsteinzeug-Scheibe
  • Bohrkronen statt Zange, Lochboy und Fliesenhammer
  • Diamant-Handpad für die Kanten

Das ist die Grundausstattung, mit der du eine Baustelle sauber durchbekommst. Alles Weitere braucht man erst, wenn man davon lebt.

Mehr dazu

Wie du den Materialbedarf richtig ermittelst, worauf es beim Fliesenkauf ankommt und woran du gute Beratung erkennst, steht in Bad sanieren ohne Lehrgeld. Den passenden Materialrechner gibt es für Leser gratis dazu. Warum manche Fliesen scharfe und andere leicht abgerundete Kanten haben, steht unter Rektifiziert oder Presskante.